Rückblick 2019

Alex Cheb
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Ein Kommentar

Das Jahr 2019 geht heute zu Ende und wir blicken auf ein durchwachsenes Jahr zurück. Sicherlich war das Jahr lange nicht so furchtbar wie die Saison 2018, dennoch konnten wir – an unseren Ansprüchen gemessen – nicht mit der Saison 2017 mithalten.

Klar, die Ergebnisse waren auf dem Papier auch damals nicht bedeutend besser. Der Unterschied zu heute ist vielmehr, dass es 2017 noch möglich war mit einer Top 15 Platzierung sicher auf dem Podest der Trophy-Klasse zu landen. Das ging in 2019 nicht mehr.

Der Kampf um die Krone der Trophy spielte sich Rennen für Rennen mitten in den Top 5 des Gesamtklassements ab. Es kämpften allerdings nicht nur die beiden diesjährig Klassenprimi, welche – und das kann man nur betonen – beide hochverdient die Meisterschaft unter sich ausgemacht haben. Gleich mehrere Teams waren bei jedem Rennen für sich genommen dazu in der Lage um den Klassensieg zu kämpfen – und das mitten in den Top 5 der Gesamtwertung.

Man könnte jetzt sagen, dass die Klasseneinteilung hier ihr Ziel verfehlt hat, und ganz grundsätzlich kann man das so beurteilen, zumal es ja die Möglichkeit gibt Teams bei entsprechenden Leistungen aufzustufen. Ich persönlich sehe da aber ein tiefgreifenderes Problem, nämlich den Wettbewerbsgedanken.

Es ist fast schauerhaft, mit welch rasanter Geschwindigkeit der Wettbewerbsgedanke nunmehr auch in der GTC Einzug erhalten hat.
Um heute ganz oben zu sein, muss Geld in die Hand genommen werden. Und das in einer Art und Weise, dass es ohne Sponsoren zunehmend schwieriger wird eine ganze Saison zu bestreiten.

Und diese Tatsache steht im krassen Gegensatz dazu, wie die GTC momentan umgesetzt wird. Es passt einfach nicht in das Jahr 2019, dass beispielsweise die Durchfahrtgeschwindigkeit der Box noch immer, wie die Rundenzeiten im frühen Motorsport, mit einer Stoppuhr gemessen wird.
Genauso passt es nicht, wenn die Startaufstellung für das Hauptrennen des Super-Race-Weekends über irgendwelche Spiele ausgetragen wird.
Oder beim 24 Stunden Rennen in Wackersdorf die Tankbox bei einem der wichtigsten Stopps des Jahres unbesetzt ist, wo es nicht nur um den Rennsieg, sondern durchaus um die Meisterschaft gehen kann.
Wieso werden Strafen oft mit zweierlei Maß gemessen? Bei allem Respekt, aber es kann doch nicht wahr sein, dass bei einem klaren Regelverstoß der Teamchef damit „bestraft“ wird, einen Tag lang als Streckenposten zu arbeiten. Oder ein Team, was nachweislich Betrogen hat mit irgendwelchen Strafpunkten belegt wird und dennoch weiter am Wettbewerb teilnehmen kann. Da kann ich den Frust konkurrierender Teams absolut nachvollziehen.
Und überhaupt: Was ist eigentlich mit den technischen Kontrollen? Wieso wurden diese wieder eingestellt?

Diese Dinge sind amateurhaft und passen einfach nicht mehr in eine Zeit in der der kleinste Fehler dazu führt, nicht mehr gewinnen zu können, wo mittlerweile Unsummen ausgegeben werden müssen, um nachhaltig konkurrenzfähig zu bleiben.

Mir ist bewusst: letztlich war, ist und wird die GTC immer eine Amateurserie bleiben. Schließlich verdienen wir als Fahrer und Teams alle kein Geld damit.
Dennoch glaube ich, dass die GTC sich an einigen Eckpfeilern dringend professionalisieren muss. Über die letzten beiden Saisons wurde mir klar: Der Wunsch nach einer Professionalisierung ist größer, als manch einem Entscheider bewusst zu sein scheint.

Dementsprechend ist die Kernfrage, welche sich die GTC meiner Meinung nach stellen sollte: Wie ist es zu schaffen, sowohl Teams mit hohem Anspruch, als auch Teams mit dem „Spaß an der Sache“ zu halten?

Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich simpel: Lasst eure „Spielerein“, führt durchsichtige Kontrollen ein und bestraft entsprechend bei Regelverstößen.
Denkt beispielsweise mal über ein anderes Punkteschema oder eine neue Klasseneinteilung nach: Die VLN bietet da einen interessanten Ansatz.
Und last but not least: Seht zu, dass die Kosten nicht völlig aus dem Ruder laufen.
Wieso nicht einfach mal eine „echte“ Cup-Klasse in die Wege leiten, die der Kostenexplosion der sonstigen Klassen mit einer guten Struktur und überschaubaren Preisen entgegensetzt?
Schafft Anreize und bleibt nicht stehen. Die Möglichkeiten dafür sind mannigfaltig.

Letztlich bedeutet Breitensport eine Plattform für alle Motorsportverrückten zu bieten. Dazu zählen eben ALLE. Sowohl „Hobby-Teams“, als auch diejenigen mit dem Wunsch es professionell anzugehen 😉

Wir jedenfalls werden das Treiben in der kommenden Saison zwangsweise aus der Ferne beobachten.
Das nächste Jahr ist für viele von uns ein entscheidungsreiches im schulischen und beruflichen Sinne. Da wir alle zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich eingebunden sind, haben wir uns als Team dazu entschlossen 2020 auszusetzen.
Ihr werdet den einen oder anderen von uns sicherlich mal hier oder da an der Strecke antreffen. Wenn es sich manchen lässt, werden wir auch mal ein Rennen bestreiten, das wird aber eher eine Ausnahme bleiben.

In diesem Sinne:
Wir verbleiben so lange und wünschen allen Teilnehmern viel Erfolg für 2020.

Max für NFO